Hochkönig, Watzmann, Königssee: Wandern im Berchtesgadener Land

Traumwochenende Berchtesgaden: Königssee


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Traumwochenende Berchtesgaden
Foto: Heiko Mandl

 

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Im Berchtesgadener Land, an der Grenze zu Österreich, warten unzählige Geheimtipps und Traumpfade für Wanderer. Hier die schönsten Touren rund um den Königssee.

Neun Gebirgsstöcke wachsen rund um den Ort Berchtesgaden in den Himmel. Während der Watzmann der wohl bekannteste ist, führen andere ein Schattendasein gegenüber dem berühmten Kollegen. Attraktiv sind aber alle: zum Wandern, Klettern oder Bergsteigen. Im Sommer besuchen Tausende Touristen den Königssee, auf der Suche nach dem berühmten Echo oder um mit dem Schiff der Wallfahrtskirche in St. Bartholomä einen Besuch abzustatten. "Die Fahrt zur Kirche ist eine der Attraktionen bei uns, da kann es im Hochsommer schon voll werden auf den Booten", sagt Hans, der als Wanderführer Geheimtipps in petto hat. Denn abseits der mittlerweile weltbekannten Sehenswürdigkeiten finden Wanderer auf den vielen Wegen und Pfaden der Berchtesgadener Alpen ihre Ruhe. Die Auswahl an Touren ist enorm, und hinter jeder Ecke lauert eine neue Überraschung, sei es ein weiterer atemberaubender Ausblick oder ein neuer Gipfel, den man sich als Aufgabe für den nächsten Tag aussucht – ideal für ein verlängertes Wochenende in den Bergen. Vier Tage, da kann man wandern und sich an einen Klettersteig wagen – und sollte auch den österreichischen Nachbarn, das Hochkönig-Massiv, nicht auslassen. Nur einen Steinwurf entfernt lockt es besonders Klettersteigfans mit seinem Königsjodler an.

Während der Watzmann am Westufer sportlichen und erfahrenen Alpinisten vorbehalten bleibt, finden Wanderer vor allem auf der gegenüberliegenden Seite des Königssees Wege in jedem Schwierigkeitsgrad. Dabei sollte man die Touren nicht unterschätzen. Das haben auch die Einheimischen erkannt und vorgesorgt: Bewirtschaftete Almhütten gibt es genug, um es sich während der Pausen mit einer "Brettljause" gut gehen zu lassen und Kraft zu tanken. Außerdem warten einige Übernachtungsmöglichkeiten, zum Beispiel die Gotzenalm, eine der bekanntesten der Region. Sie verführt mit einmaliger Aussicht zu einem längeren Aufenthalt, denn sie liegt Stirn an Stirn zum Watzmann (2713 m), der mit seinen steilen Abbrüchen majestätisch jenseits des Sees ruht. Eigentlich besteht das Steinmassiv aus einer ganzen Familie: Zwischen dem "Großen Watzmann" rechts und dem "Kleinen Watzmann" (Watzmannfrau) zur Linken betten sich die Watzmann-Kinder ein.

 

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Foto: Heiko Mandl Der Weg zum Seeleinsee gilt als einer der schönsten am Königssee-Ostufer.

Hinauf zur Gotzenalm

An einem Tag erreicht man die Gotzenalm locker zu Fuß und kehrt anderntags in einem Bogen zum See zurück – wenn einen das weite Panorama oben so schnell loslässt. Die Tour beginnt schon ungewöhnlich: Ein Schiff bringt Wanderer von Schönau über den Königssee zur Saletalm am Südufer. Dann geht es flach nach Südosten am Obersee entlang, einem Zulauf des Königssees. Die folgenden Serpentinen durch die Brustwand haben es in sich; seilgesicherte Stellen geben einen Vorgeschmack auf das, was noch kommt. In der Ferne tost der Röthbach-Wasserfall – mit 400 Metern der höchste Wasserfall Deutschlands.

Durch das grüne Landtal mit seinen licht stehenden Nadelbäumen führt die Route immer weiter in die Berchtesgadener Alpen hinein. "Hier oben findet man viele zum Teil seltene Blumen, auch das Edelweiß wächst hier häufig", erzählt Hans auf halber Strecke durchs Tal. Die Entfernungen scheinen auf den ersten Blick recht kurz, aber der Anstieg durch das Landtal zieht sich. Je höher der Weg steigt, desto karger wird die Umgebung: Auf rund 1600 Metern zweigt der Weg nach links ab, zur Gotzenalm (1680 m). Noch ein bisschen Puste über? Gut, denn nur zehn Gehminuten von der Alm wartet mit dem Feuerpalfen einer der schönsten Aussichtsbalkons in Berchtesgaden. "Ich war schon oft dort. Bei Sonne, Regen, am Abend oder am Morgen! Aber die einmalige Rundumsicht fasziniert mich immer wieder." Hans schwelgt in Erinnerungen und schwenkt auf den Abstecher ein. Und er hat recht: Der bestechende Blick reicht vom Steinernen Meer über die graue Eminenz Watzmann und den blauen Königssee bis nach Norden zum Untersbergmassiv mit dem prägnanten Gipfelplateau.

Ein gutes Frühstück, dann ist man gewappnet für Teil zwei der Tour: Zum Aufwärmen folgt man dem Anstieg von gestern, steigt aber durch das schon bekannte Landtal jetzt nach links an, bis auf über 1900 Meter auf das Hochgschirr. Eine Stippvisite am Seeleinsee, in dessen geheimnisvoll grün schimmerndem Wasser sich die umliegenden Felswände spiegeln, dann schnauft man weiter zum über 2000 Meter hohen Schneibstein, immer parallel zur Grenze zwischen Deutschland und Österreich. Man sollte sich noch Kraft für den steilen und felsigen Abstieg zum Stahlhaus aufheben, der die Waden ganz schön ächzen und einen dabei unbemerkt mehrfach die Ländergrenze wechseln lässt. "Wem hier die Kondition ausgeht, der fährt ganz einfach mit der Bahn runter nach Schönau", rät Hans.

 

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Foto: Heiko Mandl Mit dem Hochkönig im Rücken geht es hinab.

Audienz beim Hochkönig

Auf österreichischer Seite hat der wahre Herrscher der Berchtesgadener Alpen seinen Sitz: Der Hochkönig ist mit 2941 Metern ihr höchster Gipfel. Der einfachste Weg führt von Dienten hinauf, 15 Kilometer Luftlinie südlich des Königssees. Am Hochkönig-Massiv halten die Kletterer die Felsen fest in der Hand. Die weltbesten Freeclimber haben Routen eingerichtet, und auch einer der schwersten Klettersteige der Ostalpen zieht hier hin auf: Der Königsjodler (Schwierigkeit D) zählt mit einer Gesamtzeit von neun Stunden zu den längsten im Land Salzburg. Auf den 1700 Klettermetern überwindet er acht Türme und große und kleine Schluchten. Erfahrung sollte ein Aspirant für den Klettersteig unbedingt mitbringen und eine gute Portion Kondition. Der Königsjodler verwöhnt oben mit einem fantastischen Rundumblick, bei schöner Sicht bis zu den Hohen Tauern.

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Klettersteig-Ausrüstung Foto: Hersteller
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Von Almhütte zu Almhütte

Der letzte Tag steht ganz im Zeichen des Genusses: Unter den Kalkwänden des Hochkönigs wandert man gemütlich von Almhütte zu Almhütte, vom Arthurhaus nach Westen zur Erichhütte, dem Basislager für den Königsjodler. Hier lässt man den Klettersteig Revue passieren oder lauscht den Erzählungen derer, die ihn bezwungen haben, und denkt bei einer gemütlichen Einkehr an die vier prallen Tage zurück, die immer wieder die Landesgrenzen berührt, aber kaum am Massentourismus gerührt haben.

Inhaltsverzeichnis

01.10.2012
Autor: Heiko Mandl
© Outdoor
Ausgabe 09/2012