Test: Neun Triathlon-Rennräder - fünf Profi- und vier Mittelklasse-Modelle

Neun Triathlon-Rennräder im Test


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Test Triathlon-Räder
Foto: Arturo Rivas

 

RoadBIKE BMC Timemachine TM01
Foto: drakeimages.de

 

RoadBIKE BMC Timemachine TM01
Foto: Arturo Rivas

 

RoadBIKE BMC Timemachine TM01
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RoadBIKE Giant Trinity Advanced SL
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Wie schnell sind die Triathlon-Rennräder der Top-Profis wirklich? Und was können die Mittelklasse-Modelle? RoadBIKE hat insgesamt neuen Modelle getestet.
Zu den getesteten Produkten

RoadBIKE hat insgesamt 9 Triathlon-Rennräder zum Test geladen: 5 absolute High-End-Maschinen, wie sie von den besten Dreikämpfern der Welt gefahren werden, und 4 Modelle aus der bezahlbaren Mittelklasse bis 3000 Euro. Alle kommen mit Rahmen-Gabel-Sets aus Carbon und mit aerodynamischem Design – Merkmale also, bei denen Sekundensammler unweigerlich hellhörig werden.

Kein Wunder, schließlich erscheint der Gedanke, dass man sich bessere Zeiten ganz einfach kaufen kann, doch sehr verlockend. Ganz so einfach ist es aber leider nicht. Die Leistungseinsparungen und Zeitgewinne, die einige Hersteller versprechen, sind aus Windkanalmessungen der einzelnen Räder abgeleitet, die zwar in der Entwicklung sinnvolle Hilfsmittel sind, für eine absolute Aussage über zu erwartende Zeiten jedoch nicht taugen.

Das Problem: Um verschiedene Kompletträder objektiv miteinander vergleichen zu können, müsste ein pedalierender Fahrer in exakt gleicher Haltung auf den jeweiligen Rädern sitzen, denn nur dann entstünden jene Verwirbelungen, die für eine realistische ­Beurteilung der Aerodynamik unbedingt berücksichtigt werden müssten. Das ist im Windkanal allerdings nicht umsetzbar.

Ohnehin lohnt kaum, sich übertrieben viele Gedanken um die Aerodynamik des Rades an sich zu machen, denn der Anteil der Maschine am Gesamtwiderstand (Fahrrad und Fahrer) liegt unter 20 Prozent, wovon wiederum ein großer Teil auf die Laufräder entfällt. Der Wechsel von einem Triathlon-Rahmen-Set zu einem anderen hat deshalb selbst im Extremfall weniger Auswirkung auf die Aerodynamik des Gesamtpakets als eine relativ kleine Veränderung der Sitzposition des Fahrers.

Die wiederum ist eine überaus individuelle Angelegenheit, der man auf jeden Fall höchste Aufmerksamkeit schenken sollte. Die Einstellmöglichkeiten an der Sattelstütze und am Cockpit sind deshalb wesentliche Details an einem guten Triathlon-Rad. Je mehr Spielraum dem Fahrer hier bleibt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich für ihn das individuelle Optimum realisieren lässt.

Einstellungssache

Die Testräder zeigten sich in diesem Punkt überwiegend sehr flexibel, auch wenn klar zu erkennen ist, dass das Material der Profis deutlich die Nase vorn hat. Besonders BMC und Specialized bieten mit durch­dachten Lenker-Vorbau-Lösungen und Sattelstützen reichlich Raum für Positionsexperimente. Bei den günstigen Rädern ist dagegen fast immer ein Austausch dieser Teile fällig, wenn größere Anpassungen anstehen. Ausnahme: Felt liefert sein DA4 mit verstellbarem Vorbau aus.

Kurven-Qualitäten

Ein weiteres Kriterium für die Qualität eines Rahmens ist dessen Steifigkeit. Auch beim Triathlon ist ein verwindungsarmer Rahmen hilfreich, schließlich geht es auf kaum einem Kurs immer nur geradeaus. In Kurven und auf schnellen Abfahrten macht sich ein weicher Lenkkopf aber durch schwammiges Fahrverhalten bemerkbar, ein steifes Modell dagegen durch direkte Ansprache und Spurstabilität.

Erfreulicherweise ist Steifigkeit nicht zwingend eine Frage des Preises: Das steifste Rad im Test, das Trek Speed Concept 7.2, zählt zur Mittelklasse, und auch beim Profi-Material findet sich mit dem Scott Plasma Premium ein Ausreißer – mit mäßiger Steifigkeit im Lenkkopfbereich.

Fairerweise sei erwähnt, dass sich auch die schwächsten Werte im Test, welche bei normalen Rennrädern in kaum befriedigen­dem Fahrverhalten resultieren würden, auf der Straße nicht dramatisch spürbar werden. Im direkten Vergleich ist die geringere Steifigkeit zwar spürbar, kritisch wird sie jedoch aufgrund des typischerweise guten Geradeauslaufs der Modelle in keinem Fall.

Fehlende Dämpfung

Ähnliches gilt im Übrigen auch für die Dämpfungseigenschaften der Rahmen-Sets. Alle Räder, ganz gleich wie steif, leicht oder teuer sie auch sind, kommen in den Messungen der vertikalen Nachgiebigkeit auf Werte, die den grünen Bereich, in dem man von spürbarer Dämpfung sprechen kann, um Längen verfehlen.

In die Wertung fließt dieses Ergebnis nicht ein, da die Praxis gezeigt hat, dass hieraus kein spürbarer Nachteil entsteht: Durch den weit vorn liegenden Schwerpunkt und die im Vergleich zum Rennrad komplett andere Position im Sattel spürt der Fahrer von Vibrationen und Schlägen viel weniger, als es die Laborwerte vermuten lassen.

An der Front dämpfen zudem die Pads der Arm­auflagen wirksam. Nicht zuletzt handelt es sich bei Triathlon-Maschinen um reines Wettkampfmaterial – für Sportler, die erwiesenermaßen hart im Nehmen sind ...

Fazit:

Die Räder der Profis haben klar die Nase vorn, auch wenn die Mittelklassemodelle zum Teil beachtliche Leistungen zeigen. Beim Top-Material holt sich BMC mit einem Konzept ohne echte Schwächen den Testsieg: Das Rahmen-Set der Timemachine verdient sich die Bestnote, Ausstattung und Fahreindruck sind ebenfalls „überragend“. In der Mittelklasse gewinnt das Rose Aero Flyer 3000, das mit einem Top-Paket zum fairen Preis überzeugt.


Die Rennräder in diesem Test